Handy verdrängt Festnetztelefon
06.08.2008
80 Prozent der Mobilfunkkunden würden bei günstigeren Datentarifen häufiger mobil surfen, das ergab eine Umfrage des Internetportals handytarife.de unter 2.000 Befragten. Das mobile Internet wird durch die neuen High-Speed-Technologien wie UMTS / HSDPA zu einer echten Alternative zum DSL-Festnetzanschluss.
Inzwischen bewegen sich auch die Preise für die mobile Datenübertragung in einem bezahlbaren Rahmen. Je nach Nutzertyp kann der Kunde eine Datenoption mit Inklusivvolumen oder einem bestimmten Zeitkontingent buchen. Wer nur seine E-Mails über das Handy verwalten möchte, findet ebenfalls eine eigene Tarifoption. Das Mobiltelefon macht dem Festnetzanschluss aber nicht nur im Datenbereich Konkurrenz, auch Telefonate werden verstärkt über das Handy geführt.
Explosion der Handy-Telefonate
Wie der Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) ermittelt hat, ist das deutsche Festnetz-Gesprächsvolumen 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent gesunken auf 169 Millionen Minuten.. Dagegen verzeichnete die Handy-Telefonie im gleichen Zeitraum einen Zuwachs von 20 Prozent auf 68 Millionen Minuten. Laut BITKOM-Prognose sollen im Jahr 2008 rund 181 Millionen Handys in der Euro-Zone verkauft werden, das würde einem Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprechen. Für Deutschland werden etwa 27 Millionen Neuerwerbungen erwartet.
Dabei rangiert die Bundesrepublik in der EU-Rangliste weit unten, was die mobilen Anschlüsse betrifft. Im Durchschnitt verfügten im vergangenen Jahr 24 Prozent der europäischen Haushalte ausschließlich über einen Mobilfunkanschluss. Spitzenreiter ist Tschechien, hier telefonieren 64 Prozent der Haushalte nur mit dem Handy. Auf Rang zwei liegen die Finnen mit 61 Prozent, in Litauen sind es 53 Prozent. In Deutschland nutzen lediglich elf Prozent der Haushalte einen mobilen Telefonanschluss.
In Deutschland dominiert (noch) das Festnetz
Ein Grund für die starke Affinität der Deutschen zum Festnetztelefon ist der gute Ausbau des Festnetzes. In Tschechien beispielsweise hatten 2007 lediglich 31 Prozent der Haushalte einen Festnetzanschluss, in Ungarn waren es 42 Prozent und in Polen 62 Prozent. Das geht aus den aktuellen Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervor. In Deutschland besitzen 83 Prozent aller Haushalte ein Festnetztelefon.
Eine weitere Ursache sieht der Branchenverband in der Verbindung der Telefonanschlüsse mit schnellen Internetverbindungen per DSL: „Telefon und Internetanschluss werden in der Regel preiswert im Paket angeboten“, meint BITKOM-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer. Bei reinen Internetangeboten ergebe sich kaum ein Preisvorteil, so Scheer. Breitband-Internet über HSDPA bewegt sich inzwischen jedoch ebenfalls auf DSL-Niveau. Wenn sich das Preisgefüge noch ein kleines Stück in Richtung Mobilfunk bewegt, könnte der Festnetzanschluss auch in Deutschland bald überflüssig sein.
Autor: FN
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