Verschmelzung von Prepaid- und Postpaid-Tarifen
18.02.2009
Eine überhöhte Mobilfunkrechnung ist eine sehr unangenehme Überraschung. Daher steigen immer mehr Verbraucher von Laufzeitverträgen auf Prepaid-Tarife um. Von den derzeit etwa 107 Millionen Mobilfunkverträgen in Deutschland entfallen bereits 59 Millionen auf Prepaid-Karten.
Lediglich 48 Millionen sind herkömmliche Verträge, die nachträglich bezahlt werden – in der Branche auch „Postpaid“ genannt. Das bedeutet, dass heute über die Hälfte der deutschen Mobilfunkkunden, nämlich 55 Prozent im voraus bezahlte Mobilfunkdienste nutzen. Die Service-Provider sollten auf diese Marktentwicklung reagieren und die strikte Trennung der Bereiche Prepaid und Postpaid aufheben, empfiehlt nun die Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting in einem aktuellen Bericht.
55 Prozent der Kunden nutzen Prepaid-Tarife
Inzwischen seien die technischen Möglichkeiten für eine Verschmelzung der beiden Bereiche gegeben, heißt es in der Studie weiter. Die Mobilfunkunternehmen müssten in Zukunft lediglich ein unterschiedliches Zahlverhalten und eine entsprechend getrennte Buchhaltung abwickeln. Abgesehen davon könne eine einheitliche Verwaltung von Prepaid- und Postpaid-Kunden heute problemlos funktionieren.
Die Mobilfunkanbieter sollten beide Kundensegmente zusammenführen und gemeinsam verwalten, lautet der Rat der Marktexperten. So hätten sie in Zukunft die Möglichkeit, flexibel auf die Wünsche der Verbraucher zu reagieren und neue Kombinationen aus Prepaid- und Postpaid-Tarifen anzubieten.
Denkbar wäre zum Beispiel, Handy-Gespräche nachträglich per Rechnung zu bezahlen, SMS aber im voraus per Kontingent. Auch ein zeitlich befristeter Wechsel von Postpaid zu Prepaid könnte dann möglich sein, etwa wenn ein Nutzer für kurze Zeit ins Ausland reist. Der Anbieter könnte seinen Vertrag dann kurzfristig auf Prepaid umstellen und so die Gefahr von unüberschaubaren Kosten durch Roaming-Gebühren vermeiden.
Wie funktioniert ein Prepaid-Tarif?
Ein Prepaid-Tarif zeichnet sich dadurch aus, dass der Nutzer vorab einen bestimmten Betrag an das Mobilfunkunternehmen zahlt. Er bekommt dafür eine Prepaid-Karte sowie ein bestimmtes Guthaben für sein Handy (ein bis zehn Euro). Im Anschluss kann der Verbraucher so lange telefonieren, SMS verschicken oder andere Mobilfunkdienste nutzen, bis sein Guthaben aufgebraucht ist. Das Guthaben-Konto kann in Folge durch Einzahlung immer wieder aufgeladen werden. Bei einem Prepaid-Tarif gibt es keine monatliche Grundgebühr. Der Kunde kann seine Mobilfunkkosten also voll überschauen.
Einziges Manko gegenüber einem Laufzeitvertrag: In der Regel gibt es keine subventionierten Geräte beim Kartenkauf. Der Verbraucher zahlt für ein sehr einfaches Handy ca. 30 Euro, komfortablere Geräte kosten zwischen 150 und 200 Euro. Auch sind die meisten Handys für die Prepaid-Nutzung mit einem SIM- oder Netzlock versehen. Der Kunde kann somit nur die mitgelieferte Karte benutzen, eine Entsperrung kostet rund 100 Euro extra. Wer Geduld hat, wartet 24 Monate, dann wird die Sperre umsonst aufgehoben. In der Vergangenheit war das Prepaid-Guthaben zwölf bis 15 Monate lang gültig. Inzwischen haben die Anbieter diese Frist aufgehoben: Das Guthaben kann länger genutzt werden, vorausgesetzt es findet einmal im Jahr eine kostenpflichtige Aktion statt. Ungenutzte Beträge auf dem Prepaid-Konto können heute auch auf Kulanz ausgezahlt werden.
Autor: FN
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