Skype pocht auf Netzneutralität
29.09.2009
Vor einiger Zeit sah es noch so aus, also ob sich der VoIP-Anbieter Skype den Netzbetreibern geschlagen geben müsste. Nahezu alle Telekommunikationsunternehmen auf der Welt verweigerten Skype den Zutritt zu ihren Mobilfunk-Netzen. Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden: US-Präsident Obama selbst hat den Mobilfunk-Unternehmen Netzneutralität verordnet, auch die EU will die Regulierungsordnung neu fassen.
Als erster deutscher Mobilfunk-Anbieter reagiert o2 auf die Umwälzungen im Segment Internet-Telefonie: Ab sofort können die Datentarife des Münchner Anbieters auch offiziell für Voice over Internet Protocol (VoIP) genutzt werden. Das heißt im Klartext, o2-Kunden dürfen Skype auf dem Handy nutzen. T-Mobile und Vodafone wollen ihren Kunden nach eigenen Angaben die Nutzung von VoIP-Diensten ebenfalls gestatten, allerdings nur gegen Aufpreis.
o2 gestattet VoIP-Nutzung
„Das mobile Internet soll den Kunden ohne Einschränkung offen stehen“, findet Lutz Schüler, Managing Director Marketing & Sales von o2 Germany. Dazu gehöre eben auch das Telefonieren, so der o2-Marketing-Chef. Handy-Nutzer können bei o2 Datentarife mit Volumenbegrenzung buchen.
Das Datenpaket mit 200 Megabyte kostet zehn Euro im Monat, ein Volumen von fünf Gigabyte verkauft o2 für 25 Euro im Monat. Gesurft wird dank HSDPA mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde im Download. Ist das Inklusivvolumen aufgebraucht, reduziert der Anbieter die Surf-Geschwindigkeit auf GPRS-Niveau, das sind maximal 56 Kilobit pro Sekunde. Laut Skype verbraucht ein Nutzer ein Datenvolumen von einem Megabyte im Monat, wenn er täglich 20 Minuten über das Internet telefoniert und 25 Minuten chattet. Der kostenpflichtige VoIP-Tarif bei T-Mobile wird voraussichtlich 9,95 Euro im Monat kosten.
USA und EU wollen "offenes Internet"
Als Grund für ihre ablehnende Haltung gegenüber VoIP-Anbietern führen die Netzbetreiber an, die Internet-Telefonie würde die UMTS-Netze zu stark belasten. Wenn überhaupt könne man VoIP also nur gegen eine Zusatzgebühr im eigenen Netz zulassen. In den USA soll diese Form der Internet-Steuer auf Wunsch von Barack Obama nun verboten werden: Vor gut einer Woche hatte der US-Präsident die Bundesnetzagentur FCC angewiesen, keine Hierarchisierung des Internet-Traffics vorzunehmen. Ein offenes Internet sei das höchste Gebot, betonte auch Julius Genachowski, Chef der Federal Communications Commission (FCC) in einer Grundsatzrede.
In Europa fordern Bürgerrechtsorganisationen und Internet-Aktivisten schon seit geraumer Zeit ein klares Statement für Netzneutralität. Die EU-Kommission hat inzwischen ein Vermittlungsverfahren über die Neufassung der Regulierung des Telekommunikationsmarktes eingeleitet. Der VoIP-Anbieter Skype begrüßte diesen Schritt ausdrücklich: Man wünsche sich neue Leitlinien, die den fairen Wettbewerb unterstützten und dadurch die Wahlfreiheit der Verbraucher schützten.
Autor: FN
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