WiMAX-Netz in Australien abgeschaltet
25.03.2008
Ist die WiMAX-Technologie tatsächlich eine „Katastrophe, die gnadenlos versagt hat“, wie der australische Geschäftsmann Garth Freeman vor kurzem bei einer WiMAX-Konferenz in Bangkok schimpfte?
Freeman ist Geschäftsführer des Unternehmens Buzz Broadband mit Sitz im australischen Hervey Bay. Buzz hatte als eine der ersten Firmen weltweit ein WiMAX-Netz aufgebaut, noch vor einem Jahr warb Freeman begeistert um neue Kunden für diese Technologie. Nun wurde das neue Funknetzwerk abgeschaltet. Was hat diesen radikalen Sinneswandel verursacht?
Zu hohe Erwartungen, geringe Leistung
Große Erwartungen werden in WiMAX gesetzt: Als Alternative zu UMTS und WLAN mit maximal 50 Kilometern Reichweite soll der Standard günstiger in Aufbau und Betrieb sein. Mit Übertragungsraten von über 100 MBit/s soll er außerdem wesentlich schneller als die bestehenden Mobilfunknetze sein. Laut Freeman wurden diese Versprechungen aber „nicht ansatzweise erfüllt“.
Wie aus einem Bericht des australischen Publishers CommsDay hervorgeht, präsentierte der CEO von Buzz den erstaunten Kongress-Teilnehmern in Bangkok eine gnadenlose Abrechnung mit dem WiMAX-Netz: die Technologie sei ein Hype und könnte zu einem Flop werden. Zwei Kilometer von der Basisstation entfernt gäbe es praktisch keine Übertragungsleistung, die Innenversorgung breche nach 400 Metern zusammen und die Latenzzeiten erreichten bis zu 1000 Millisekunden. Schlechte Latenz und Phasenverschiebung (engl. „jitter“) machten WiMAX inakzeptabel für viele Internet-Anwendungen und ganz besonders für VoIP. Buzz Broadband hatte günstige Internet-Telefondienste als Hauptverkaufsargument für die Kundenaquise benutzt, die hohen Latenzzeiten machten Voice over IP über WiMAX aber deutlich unkomfortabler als Gespräche über andere Netze. Auch andere Netzbetreiber wie das indische Telekommunikationsunternehmen VSNL hatten 2007 von Versorgungsprobleme im Innenbereich berichtet: sie sei hier schon 200 Meter entfernt von der Basisstation zusammengebrochen, Gründe hierfür wurden nicht genannt.
Versorgungspannen im Innenbereich
WiMAX sendet im 3,5 GHz-Band, eventuell könnte der verwendete Frequenzbereich die Ursache für die Übertragungsschwierigkeiten sein. Einerseits lassen sich dadurch mehr Daten übertragen, andererseits dringen hochfrequente Schwingungen nur schwer durch Hauswände und werden zudem reflektiert. Das könnte den Jittereffekt und die hohen Latenzzeiten erklären. Durch die Reflexion treffen die Funkwellen mit unterschiedlicher Verzögerung auf das Endgerät und die Reihenfolge gerät durcheinander. Das hat zur Folge, dass Datenpakete verworfen und neu gesendet werden müssen.
Umso erstaunlicher ist es, dass das WiBRO-Netz (auch WiMAX mobile) in Südkorea seit Jahren gut funktioniert. In Deutschland versorgt der Anbieter Deutsche Breitband Dienste (DBD) einige Bundesländer seit 2005 erfolgreich mit der WiMAX-Technologie. In den USA will Sprint Nextel mit seinem WiMAX-Netzwerk Xohm durchstarten.
Neue Pläne mit Wireless DOCSIS
Garth Freeman hat für sein australisches Netz bereits neue Pläne. Buzz Broadband wird dort auf den TD-CDMA-Standard bei 1,9 GHz setzen, den beispielsweise der Anbieter Woosh Wireless in Neuseeland nutzt. Begeistert zeigte er sich zudem von einer relativ unbekannten Plattform: „Wireless DOCSIS“ funkt - wie WiMAX - im 3,5 GHz-Bereich und nutzt die sogenannte MESH-Technologie. Dabei dient jeder Teilnehmer zugleich als Repeater und Router von Signalen (für andere Teilnehmer). So sollen sich leistungsfähige ad-hoc-Netze aufbauen lassen. DOCSIS erlaubt Datenübertragungsraten von bis zu 38 Mbit/s und soll eine hohe Reichweite und Abdeckung haben. DOCSIS erreicht ähnliche Bandbreiten wie DSL, unterscheidet sich in der Technologie jedoch deutlich.
Autor: FN
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