Tarife im mobilen Internet: Grosse Unterschiede zwischen den Nachbarn
17.11.2010
Vergleicht man die Tarife für mobiles Internet in Deutschland, Österreich und der Schweiz, fallen deutliche Unterschiede auf: Beim Datenfunk bietet Österreich sowohl im Postpaid- als auch im Prepaidbereich günstige Bedingungen für datenhungrige Vielsurfer. Wer in der Schweiz viel im mobilen Internet unterwegs ist, muss relativ schnell tief in die Tasche greifen. Deutschland rangiert im Vergleich meist im Mittelfeld.
Abgesehen von den Preisen ist auch der Zuschnitt der Datenvolumina in Österreich auf die Anforderungen des stark wachsenden Marktes ausgerichtet. Die Schweiz hingegen rechnet in Größenordnungen ab, die nicht mehr den aktuellen Anforderungen mobiler Internetnutzung entsprechen.
Großzügiges Österreich
Die Tarifmodelle variieren von Land zu Land. In Deutschland überwiegen Fair-Flatrates: Nach Verbrauch eines gewissen Datenvolumens wird die Downloadgeschwindigkeit für den Rest des Monats auf 64 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) gedrosselt. Bei Discountern kann man meist für zehn Euro (umgerechnet etwa 13,30 Franken) etwa 250 Megabyte (MB) mit maximal möglicher Geschwindigkeit verbrauchen.
In Österreich sind Volumentarife gebräuchlicher. Nach dem Verbrauch des Inklusiv-Volumens werden Folgekosten für jedes weitere Megabyte fällig. Die Datenmengen, welche die österreichischen Anbieter ihren Nutzern zubilligen, sind jedoch äußerst großzügig bemessen. So bekommt man bei Orange für 15 Euro (20 Franken) pro Monat 15 Gigabyte (GB) Datenvolumen. Bei Drei kann man sogar 19 GB versurfen und zahlt dafür nur 15 Euro monatlich.
In der Schweiz sind die Preise meist recht hoch im Vergleich zu Deutschland und Österreich. Ein Beispiel für die Unterschiede zwischen Österreich und der Schweiz ist das Angebot der Marke Red Bull Mobile. Der Tarif Simply-All kostet in Österreich 19 Euro (circa 25 Franken) pro Monat, in der Schweiz 33 Franken. Das an sich ist noch kein großer Unterscheid, jedoch wird er deutlicher, wenn man das dabei angebotene Volumen betrachtet. Während man in Österreich monatlich 1000 Minuten telefonieren kann, 1000 SMS verschickt und ein Gigabyte versurfen kann, sind es in der Schweiz gerade mal 66 Minuten, 66 SMS und 66 MB.
Prepaid-Tarife – so viel kostet ein Megabyte
Auch im Prepaid-Bereich existiert ein großes Preisgefälle zwischen den deutschsprachigen Ländern. Swisscom rangiert mit einem Franken pro Megabyte (0,73 Cent) noch im unteren Preisspektrum, was die Prepaid-Datennutzung in der Schweiz angeht. Bei Providern wie Aldi oder Lebara kostet das MB stolze zehn Franken (7,30 Euro).
In Österreich ist der Datenverbrauch im Prepaidbereich deutlich günstiger. Fast durchgehend surft man für gerade einmal zwei Cent (circa 2,7 Rappen) pro MB. Beim Discounter Bob kostet das MB sogar nur 0,4 Cent (circa 0,5 Rappen). Deutsche Anbieter positionieren sich im preislichen Mittelfeld. Hier liegen die Preise pro MB zwischen 19 und 49 Cent (25 und 65 Rappen). Discounter verlangen zwischen 19 und 24 Cent (25 und 32 Rappen), während große Anbieter wie die Deutsche Telekom oder Vodafone am oberen Ende des Preisspektrums rangieren.
Manche deutsche Provider wie etwa O2 rechnen im Minutentakt ab, ohne Beachtung des übertragenen Datenvolumens. Für neun Cent (circa zwölf Rappen) kann man bei O2, aber auch beim Discounter Simply eine Minute lang mobil surfen. Für das längere Betrachten von Webseiten ist die Abrechnung pro Minute weniger geeignet. Lädt man aber Daten gezielt herunter, können die neun Cent pro Minute sehr preiswert sein. Legt man die durchschnittliche Geschwindigkeit beim Herunterladen von Daten zugrunde, die der Chip-Online-Netztest ergab, so kommt man in Städten auf etwa einen Cent (etwa 1,3 Rappen) pro MB bei O2, wenn man einfach nur eine große Datei herunterlädt.
Der Schweizer Anachronismus
Selbst bei einem groben Vergleich fällt der deutliche Unterschied bei den Daten-Preisen ins Auge. Die Schweizer Zeitschrift Swissitmagazine bezeichnete in einem Artikel über die Einführung von Red Bull Mobile im Oktober 2009 die Schweiz als „Handy-Hochpreisinsel“. Ein Jahr später trifft diese Analyse umso mehr zu, denn in den Nachbarländern fallen die Preise, während die Tarife in der Schweiz wie aus einer anderen Zeit wirken.
Da die Übertragungsgeschwindigkeiten immer weiter steigen und das Spektrum der Einsatzmöglichkeiten mobiler Endgeräte ebenfalls immer weiter wächst, geraten die Schweizer Preise zu einem Anachronismus.
Österreich liegt bei mobilem Internet im europäischen Spitzenfeld, sowohl was den Ausbau als auch die Nutzung betrifft. 2010 verfügt bereits jeder dritte österreichische Internetnutzer über einen mobilen Breitbandzugang. Bis zu 80 Prozent des mobilen Surfens findet zu Hause statt, wie eine Umfrage von Nokia Siemens Networks ergab. Die recht niedrigen Preise und großen Inklusiv-Volumina spiegeln diese Situation wider.
Autor: JG
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