Kenia: Sauberes Trinkwasser dank Handy
14.10.2009
Das Handy als Portemonnaie-Ersatz? In Deutschland mochte man sich nicht so recht mit mobile Payment, der elektronischen Zahlungsabwicklung über mobile Endgeräte, anfreunden. In Japan hingegen ist das Verfahren bereits Alltag. Und in Entwicklungsländern wie Kenia soll es nun sogar das Überleben von Menschen sichern: Der dänische Pumpenspezialist Grundfos hat in dem ostafrikanischen Land, das unter einer extremen Dürreperiode leidet, den Aufbau solarbetriebener Wasserstationen in Angriff genommen. Einwohner von zunächst 20 Dörfern sollen bis Ende des Jahres mit sauberem Trinkwasser versorgt werden – allerdings gegen Bezahlung.
Grundfos arbeitet nämlich mit den lokalen Behörden und der kenianischen Mobilfunkfirma Safaricom zusammen. Safaricom betreibt in Kooperation mit Vodafone seit Anfang 2007 erfolgreich das Handy-Bezahlsystem M-Pesa. Mit dieser innovativen Möglichkeit des Geldtransfers können Kenianer Bankdienstleistungen in Anspruch nehmen, obwohl sie fernab von Ballungszentren und Geldinstituten leben oder kein Bank-Konto besitzen. In Kenia trifft dies immerhin auf 40 Prozent der Menschen zu.
M-Pesa: Einfaches und nützliches Bezahlsystem
Wie funktioniert also das System? Safaricom verwahrt für seine Kunden einen Geldbetrag auf einem virtuellen Konto, das vorher bei einem sogenannten Safaricom-Agenten, etwa bei einer Tankstelle, einem Supermarkt oder einem Internetcafé, eingezahlt wurde. Der Betrag wird als „Mobilgeld“ angerechnet.
Safaricom-Kunden können dann kleinere Summen einfach per SMS und persönlichem Geheimcode an beliebige Mobilfunknutzer im gesamten Land und darüber hinaus schicken. Agenten können dieses Geld wiederum für ihre Kunden abheben und auszahlen.
Wassereinkauf über mobile payment
Wer Kunde von Grundfos werden will, muss zunächst über M-Pesa sogenannte „Wasser-Credits“ bei Safaricom kaufen. Diese mit IDs versehenen Credits werden an einen zentralen Server von Kenia in den Norden Europas weitergeleitet. Benötigt der Kunde nun sein vorab gezahltes Wasser, muss er sich bei der Wasserstation seiner Gemeinde mit einer kleinen Smartcard anmelden. Die Smartcard enthält wiederum einen beschreibbaren RFID-Chip. Kommt vom dänischen Server das Okay, das heißt, sind noch genügend Wasser-Credits vorhanden, fließt das kostbare Nass an der kenianischen Zapfstation.
Die Einnahmen aus dem Wasserverkauf wollen sich Grundfos und die Gemeinde teilen, die das System angeschafft hat. Wie viel ein Kenianer für einen Liter Trinkwasser allerdings berappen muss, ist bis dato noch nicht bekannt.
Über sechs Millionen Menschen nutzen bereits M-Pesa
Über M-Pesa werden in Kenia täglich bereits eine Million Euro transferiert. Etwa sechs Millionen Einwohner nutzen den Service. Die Überweisung an einen registrierten M-Pesa-Kunden kostet umgerechnet etwa 32 Cent, das Abheben je nach Höhe des Betrag bis zu 4,20 Euro.
Auch Firmen bezahlen inzwischen zum Beispiel ihre Gelegenheitsarbeiter per M-Pesa. Selbst Taxifahrer und Lebensmittelhändler sind in dem ostafrikanischen Land auf das neue Zahlsystem eingerichtet. Inzwischen bietet Vodafone das erfolgreiche Geldtransfersystem auch in anderen Ländern wie Afghanistan und Tansania an.
Autor: BL
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