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Mobile Bezahldienste haben Zukunft

21.10.2008

Die Mobilfunkanbieter o2 und Vodafone haben gemeinsam einen netzübergreifenden mobilen Bezahldienst entwickelt. Der neue Service mit Namen "mpass" kann von allen Mobilfunk-Kunden in Deutschland genutzt werden, egal bei welchem Anbieter sie sind. Die beiden Netzbetreiber wollen das Mobile Payment so endlich aus dem Nischensektor herausholen.

Bislang konnten sich mobile Bezahlsysteme in Deutschland nicht durchsetzen. Alle Versuche waren gescheitert, die Internet-Nutzer setzen lieber auf klassische Verfahren wie Lastschrift, Kreditkarte oder Rechnung. Dabei wird dem Marktsegment Mobile Payment weltweit großes Potential bescheinigt. In einer aktuellen Studie prognostiziert das Marktforschungsunternehmen Juniper Research eine Verzehnfachung der Absatzzahlen: Bis zum Jahr 2013 sollen 600 Milliarden US-Dollar mit M-Payment-Transaktionen umgesetzt werden.

Vodafone und o2 starten mpass

Aufgrund einer Kooperation mit dem kenianischen Anbieter "Safaricom" konnte der britische Mobilfunkprovider Vodafone in den letzten Jahren Erfahrungen mit mobilen Bezahlsystemen sammeln. Gemeinsam brachten die beiden Mobilfunker einen Mobile-Payment-Service auf den Markt, der inzwischen weltweit verbreitet ist. Gerade in Entwicklungsländern ist das mobile Bezahlen zu einem florierenden Wirtschaftssektor geworden. Das liegt vor allem an der schlecht ausgebauten Finanz-Infrastruktur in Afrika und Asien, wo nur wenige Menschen überhaupt ein Bankkonto haben. Bankinstitute gibt es lediglich in den großen Städten, Handys finden sich jedoch selbst in den entlegensten Regionen.

Für den neuen Handy-Bezahldienst mpass muss sich der Kunde zuvor registrieren lassen. Anschließend kann er sich mit seiner Mobilfunknummer und einer selbst gewählten PIN in einem Online-Shop oder mobilen Portal nach Anklicken der Zahlungsoption mpass einloggen. Das System veranlasst dann ein herkömmliches Lastschriftverfahren, der Nutzer erhält eine Zahlungsbestätigung per SMS auf sein Handy. Bestätigt der Kunde diese SMS, wird der Betrag vom Bankkonto abgebucht. Zahlungen über mpass sind derzeit möglich in den Online-Shops von CinemaxX, Blume2000.de, EuroFuchs, Kickz und Beate Uhse. In Kürze sollen Medion, Falk und andere Händler hinzukommen. Auch die mobile Aufladung von CallYa- und Loop-Karten soll bald über mpass funktionieren.

Kostenloser Handy-Bezahldienst: Luupay

Der norwegische M-Payment-Anbieter "Luupay" unterhält eine deutsche Zweigstelle in Frankfurt am Main. Nachdem sich der Kunde mit seiner Handynummer sowie Konto- und Kreditkartendaten registriert hat, kann er per SMS an die Luupay-Kurzwahl Geld verschicken. Alternativ ist es auch möglich, vor der Transaktion den betreffenden Betrag auf das Kundenkonto bei Luupay zu überweisen. Voraussetzung für mobiles Bezahlen per Luupay ist, dass Sender und Empfänger gleichermaßen registriert sind. Möchte der Kunde nun zehn Euro per SMS überweisen, schreibt er: "ZAHLE ANDREA 10". Die Empfängerin Andrea wird dann sofort über die eingegangene Zahlung informiert. Nach diesem Prinzip funktioniert auch die Aufladung von Prepaid-Karten.

Während sich Luupay durchaus für den schnellen Geldtransfer zwischen Privatleuten eignet, unterstützen bisher nur wenige Händler den Dienst. Immerhin, bei e-plus, freenetMobile und Debitel können User über Luupay bezahlen. Der M-Payment-Service ist bisher kostenlos. Der Kunde zahlt lediglich die übliche Gebühr für die SMS.

Gebührenpflichtig: Moneybookers

Da ist der britische Handy-Bezahldienst "Moneybookers" schon wesentlich teurer: pro Vorgang werden 50 Cent verlangt. Zudem muss der Kunde jedes Mal einen automatisierten Dienst unter einer 0180-5-Nummer anrufen, für die Extra-Gebühren anfallen. Nachdem sich der User am Telefon mit seiner Handynummer und einer vorher festgelegten PIN identifiziert hat, kann er Geld an eine Empfänger-Handynummer versenden. Auch hier müssen beide Nutzer registriert sein. Anders als bei Luupay muss das Konto bei Moneybookers vor einer Transaktion zwingend aufgeladen werden. Das geht per Überweisung oder Kreditkartenzahlung. Im Gegensatz zu Luupay unterhält das britische Unternehmen auch kein deutsches Callcenter. Bei Problemen müssen die Nutzer entweder den E-Mail-Support kontaktieren, ein Fax an eine deutsche 0180-5-Nummer schicken oder den englischen Kunden-Service anrufen.

In Planung: PayPal Mobile

Der Online-Bezahldienst „PayPal“, ein Tochterunternehmen von ebay, will einen mobilen Ableger in Deutschland starten. Kunden, die bereits ein PayPal-Konto im Internet besitzen, könnten dann via „PayPal Mobile“ auch über das Handy darauf zugreifen. Transaktionen sollen per SMS, Sonderrufnummer oder über das mobile Internet möglich sein. Der Nutzer wird im Anschluss an die Nachricht sofort automatisch zurückgerufen und muss die Zahlung mit seiner PIN bestätigen. Nach diesem Prinzip funktioniert auch der M-Payment-Service „Paybox“, der in Deutschland zwar pleite gegangen ist, in Österreich aber weiterhin erfolgreich operiert. Der Online-Bezahldienst PayPal ist in Europa und Nordamerika bereits weit verbreitet. Zahlungen über PayPal Mobile wären also bei einer Vielzahl von Händlern möglich. Der Starttermin für den neuen M-Payment-Service steht noch nicht fest.

NFC: ein einheitlicher Standard für alle?

Interessant für die Zukunft kann auch eine andere Variante des mobilen Bezahlens sein: „Near Field Communication“ (NFC) ist eine Technologie, die den Datentransfer zwischen Geräten über eine kurze Distanz möglich macht. Der Nutzer muss sein NFC-fähiges Handy lediglich an einen Touchpoint oder ein anderes NFC-Terminal halten und die Zahlung bestätigen. Der Vorteil dieses Systems: ein einheitlicher Standard würde geschaffen, mobiles Bezahlen wäre  mit einem Endgerät weltweit möglich. Bisher gibt es neben dem Nokia-Modell „6131 NFC“ nur wenige NFC-fähige Mobiltelefone. Die Technologie befindet sich noch im Teststadium: Beispielsweise erprobt die Deutsche Bahn momentan die mobile Zahlung von Fahrkarten im Rahmen des Pilotprojektes „Touch & Travel“.

Andere Länder sind diesbezüglich weiter: In Österreich forciert der Anbieter A1 derzeit die Vermarktung des Nokia-Mobiltelefons. Neben Tickets der österreichischen Bahn können dort auch schon Snacks an Automaten gekauft werden. Sogar Lotto spielen und Parken ist über das NFC-fähige Gerät in der Alpenrepublik möglich. Dazu hat man sich in Österreich eine weitere Lösung einfallen lassen: Der NFC-Chip, der in die stationären Terminals eingebaut wird, ist sehr klein. Das NFC-Handy fragt die erforderlichen Daten aus einer Entfernung von rund fünf Zentimetern ab. Den österreichischen Kunden werden nun kleine Plastikkarten für verschiedene Anwendungen mitgeliefert. Auf jeder Karte ist ein entsprechender NFC-Chip eingeschweißt. Möchte der User nun etwas kaufen, muss er nur noch sein NFC-fähiges Handy an die jeweilige Plastikkarte halten. Der Gang zum stationären Terminal entfällt.  

Autor: FN

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