Mobile Betriebssysteme: Nicht alle werden überleben
18.01.2010
Der Handy-Chef des finnischen Konzerns Nokia geht davon aus, dass auf Dauer höchstens fünf mobile Betriebssysteme überleben würden. Es sei "definitiv nicht mehr Raum als für vier bis fünf Handy-Betriebssysteme", hat Rick Simonson, 51, der indischen Wirtschaftszeitung "Economic Times" erläutert.
Zugleich brachte der neue Chef-Stratege der Handy-Sparte von Nokia zum Ausdruck, dass Nokia allein drei dieser vier bis fünf Plätze auf der Überlebensliste belegen möchte: Schließlich verfüge Nokia ja nicht nur über das gebräuchlichste Smartphone-Betriebssystem Symbian S60, sondern auch über die neue Linux-basierte Plattform Maemo und ein drittes System für Billighandys, das die "weltweit größte" Nutzerzahl aller Handybetriebssysteme aufweise. Welches Betriebssystem als erstes verschwinden werde, ließ sich der Nokia-Manager allerdings nicht entlocken. Er verwies lediglich darauf hin, dass der US-Smartphone-Hersteller Palm lediglich einen Marktanteil von "weniger als einem Prozent" habe.
Nokia setzt auf Masse
Nokia will, nach einem nicht gerade erfolgreichen Jahr 2009, weltweit weiterhin im Massengeschäft den Erfolg suchen. In weiten Teilen der Welt würden die Menschen das Internet zum ersten Mal über ein Mobiltelefon kennen lernen, erklärte der neuer Leiter der Sparte Mobiltelefone bei Nokia der indischen Wirtschaftszeitung. Gerade auf Kontinenten wie Asien, Afrika und Lateinamerika, in denen die Computer-Festnetze nicht so stark ausgebaut sind, sieht er Nokia als Marktführer.
Dabei setzt sein Unternehmen auf das E-Mail-Geschäft. Mitbewerber wie Research in Motion lieferten hohe Qualität und eine sehr teure E-Mail-Lösung. Nokia wolle billige Mails für alle bringen. Im Mailgeschäft wachse Nokia schneller als Gmail, Yahoo oder andere Mail-Anbieter. Unternehmen wie RIM könnten solch ein Geschäftsmodell erst gar nicht ins Auge fassen. „Man muss den Massenmarkt haben, um zu gewinnen“, so Simonson. Zusätzlich zur Mail werde es Angebote wie Informationen, Chatten, Musik und Unterhaltung geben, um die neuen Massenmärkte in den Schwellenländern zu erschließen.
2010 werde Nokia 40 Prozent Marktanteil mit seinen drei Betriebssystemen halten. Dies sei ein großer Anreiz für Programmierer, neue Zusatzprogramme für die Nokia-Betriebssysteme zu entwerfen: „Sie sind bereit, mit uns mehr Geld zu machen. Ihre Apps werden weltweit genutzt werden, denn mit unserer konkurrenzlosen Reichweite bieten wir ihnen das größte Publikum, um ihre Produkte zu verkaufen.“
Im Bereich Smartphones ging´s bisher bergab
Nokia hält weltweit am Handy-Markt nach Angaben von “ The Economic Times“ 37 Prozent. Trotzdem verliert das Unternehmen Marktanteile vor allem im expandierenden Bereich der Smartphones an den Blackberry-Produzenten Research in Motion (RIM) und den iphone-Hersteller Apple, so das Wirtschaftsblatt. Im dritten Quartal 2009 fiel der Marktanteil der Nokia-Smartphones von vorher 41 auf 35 Prozent.
IT-Marktanalysten weisen darauf hin, dass Smartphones ständig zulegen, während die übrigen Segmente des Mobiltelefongeschäftes stagnieren. Smartphones sind eine Mischung aus Telefon und internetfähigem Taschenrechner, die über eine Vielzahl von Zusatzprogrammen – die sogenannten Apps – eine Vielzahl von Aufgaben ausführen können. Je nach Bedarf kann man sie als Multimedia-Maschine, Spielgerät, oder als gut entwickelten Bürohelfer gebrauchen.
Autor: ET/MN
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