Deutsche Firmen entdecken iPad und Tablet-PCs
15.10.2010
Deutschlands Firmen entdecken das iPad: Von Mercedes Benz bis zum Versandhändler Otto überlegen derzeit die Manager, wo man den flachen handlichen Rechner einsetzen kann.
Der Trend kommt aus den USA: Dort haben bereits 16,3 Prozent der mobilen Mitarbeiter in Unternehmen einen iPad oder Tablet-PC. Weitere 33,2 Prozent wollen sich einen kaufen oder bekommen ihn von der Firma. Und rund sechzig Prozent dieser Gruppe der zukünftigen Tablet-Nutzer will dann damit vor allen Dingen arbeiten. So zeigt eine Ende August veröffentlichte Umfrage, durchgeführt von dem auf mobile Endgeräte spezialisierten US-Unternehmen iPass.
Mercedes Benz probiert´s aus, Otto will Katalog-Kunden gewinnen
Mercedes-Benz testet derzeit das iPad in vierzig Autohäusern in den USA, so berichtet die deutsche Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“. Die Verkäufer können dort mit dem Kunden sprechen und unterdessen beispielsweise die Leasingraten ausrechnen lassen. Der Versandhändler Otto sieht in dem Gerät das fehlende Glied zwischen Katalog und Online-Angebot, so das Handelsblatt. Künftig sollen Kunden auf dem Gerät den Katalog betrachten und Online direkt bestellen. Die Telekom-Tochter T-Systems, die IT-Dienstleistungen für deutsche Firmen anbietet, entwickele neue Ideen, wie man das iPad fürs eigene Geschäft nutzen könne: „Das iPad ist für uns ein wichtiges Thema, weil auch die Unternehmen immer mehr Anwendungen mobil ausführen wollen“ sagte Ronny Franke von T-Systems Multimedia Solutions dem Handelsblatt. Auch der Versicherungskonzern Ergo denkt demzufolge über den Einsatz im Außendienst nach – um seine Produkte besser zu präsentieren.
In den USA galt das iPad von Anfang an als Arbeitsgerät
Damit zeichnet sich ein Trend in Deutschland ab, der sich zuerst in den USA entwickelte. Schon bevor das iPad in den USA herauskam, gab es eine Reihe von Anwendungen, die auf den Geschäftsbereich abzielten. Die wichtigste ist iWork, eine Programmsammlung mit der man Texte schreiben, Tabellen und Präsentationen erstellen kann. iWork kann die einschlägigen Dokumente aus den Windows-Programmen wie Word, Excel oder Powerpoint laden – die auf den meisten Firmenrechnern installiert sind.
Die praktischen Amerikaner sahen von Anfang an in den Tablet-PCs ein Werkzeug: 52 Prozent schätzten den iPad schon vor seinem Erscheinen als Arbeitsgerät ein, auf dem zweiten und dritten Platz landeten die Funktionen Videos und Filme beziehungsweise Spielen. Das ergab eine Umfrage des Software-Unternehmens Sybase unter Smartphone-Benutzern.
iPad wird ausprobiert in Hotels, in Kliniken, auf Baustellen
So gibt es in den USA reichlich Beispiele für den Einsatz der iPads im Geschäft. Die Hotelkette Intercontinental hat ihn versuchsweise in einigen Hotels an das Empfangspersonal ausgegeben – das nun nicht mehr eisern am Bildschirm hinter dem Tresen sitzen muss. Die amerikanische Bauberatungs-Firma D7 Consulting Inc. hat an einige Mitarbeiter iPads verteilt, damit sie an der Baustelle Konstruktionszeichnungen oder andere Details einsehen können.
Unter amerikanischen Rechtsanwälten, die viel unterwegs sind, erfreut sich das Gerät zunehmender Beliebtheit, so berichtet die Webseite infoworld.com. „Für Rechtsanwälte, die unsere Kunden bedienen, bringt das iPad wirklich etwas“ meint Michael Barnas von der Kanzlei Sonnenschein Nath & Rosenthal (Chicago) bei der weltweit 800 Anwälte mitarbeiten. „Sie können Daten aus der Firma oder Bibliotheken sehr viel schneller einsehen, als auf einem normalen Laptop.“ Auch einzelne Klinikärzte nutzen ihn – um Patientendaten anzulegen oder diese auf den Schirm zu holen.
Der große Nachteil: Zu wenig Programme
Einstweilen aber fehlen dem iPad als Arbeitswerkzeug noch die kleinen Zusatzprogramme fürs Geschäftliche – also das, was iPad und iPhone auf dem Sektor Unterhaltung und Spiele in Hülle und Fülle haben. So meint jedenfalls Ted Schadler, von dem US-amerikanischen Marktforschungsunternehmen Forrester Research. Apple müsse als erstes die bisher üblichen Business-Werkzeuge wie Microsofts Powerpoint auf seinem Tablet zulassen, so schrieb er in einem Blog. Außerdem brauche es mehr Apps für die Geschäftswelt: Ende August gab es demzufolge gerade mal 500 Business-Apps von 10 000 iPad-Apps insgesamt. Sein Fazit: „Die Angestellten werden ihre Laptops mit sich rumschleppen müssen – und zwar so lange, bis wir Unternehmens-Software nutzen können.“
Autor: ET
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