Mobil im Ausland: Fürchtet Euch nicht!
06.07.2010
Wer im EU-Ausland künftig per Mobilfunk surfen will, muss seit dem 1. Juli keine Angst vor hohen Rechnungen mehr haben: Seit Monatsanfang gilt beim Daten-Roaming die von der Europäischen Union festgelegte automatische Kostenobergrenze von 50 Euro plus Mehrwertsteuer pro Monat – in Deutschland sind das 59,50 Euro. Jeder Nutzer kann allerdings für sich eine höhere oder niedrigere Obergrenze für mobiles Internet im Ausland festlegen, so teilt die EU-Kommission in einer Presseerklärung mit. Nähert sich der Kunde der Obergrenze (hat er also 80 Prozent des darin festgelegten Betrages verbraucht) müssen die Mobilfunkbetreiber eine Warnung schicken. Wird die Obergrenze erreicht, muss die Internetverbindung per Mobilfunk abgebrochen werden – es sei denn der Kunde will ausdrücklich weitermachen.
Ebenfalls seit 1. Juli müssen die Mobilfunkbetreiber in der Europäischen Union Tarife anbieten, bei denen ein eigener Anruf in der EU höchstens 46 Cent (39 Cent plus Mehrwertsteuer) pro Minute kostet, ein auf dem Mobiltelefon eingehendes Gespräch höchstens 18 Cent (15 Cent plus Mehrwertsteuer).
Mobilfunkbetreiber bieten Spezialtarife fürs Ausland
Die Mobilfunkbetreiber bieten mittlerweile eigene Tagestarife fürs Surfen im Ausland, sie dürften vor allem für reisende Geschäftsleute interessant sein. Bei T-Mobile; Vodafone und o2 kann man für rund 15 Euro insgesamt 50 Megabyte pro Tag wegsurfen.
Auch fürs mobile Telefonieren gibt es Tarifoptionen, die man gegen ein Aufgeld dazu buchen kann, bei T-Mobile zum Beispiel den „Smart Traveller“, bei Vodafone die Option „Reiseversprechen“. Wer nur wenig im Ausland telefoniert, fährt womöglich mit den regulären EU-Tarifen am günstigsten. Bei längeren Telefonaten kommt man wahrscheinlich mit einer zusätzlichen Auslands-Tarifoption billiger weg. In jedem Fall sollte man vor der Abreise die möglichen Optionen überprüfen.
Tipps für den Auslandsaufenthalt
Geschäftsleute mit einem hohen Datenverkehr sollten zuhause einen Auslandstarif buchen, den sie nutzen können, wenn mal gar nichts mehr geht. Wer auch auf Geschäftsreisen preisgünstiger per Internet kommunizieren will, kann dann in aller Ruhe erst mal die Vorauszahl-Tarife (Prepaid) der lokalen Anbieter vor Ort prüfen, sich bei Bedarf einen Prepaid-Surf-Stick besorgen – und hat für den Fall, dass da nichts geht immer noch den bereits gebuchten Auslandstarif als Sicherheitsvariante.
Urlauber dagegen können sich auch in Hotels oder Cafés, an Flughäfen oder Bahnhöfen einen so genannten WLAN-Hotspot, das heißt ein lokales Funknetz suchen. Hier bezahlt man vor Ort und behält die Übersicht.
Und noch ein Rat: Bei einem Auslandsaufenthalt sollte man die automatische Einwahl ins Internet unbedingt ausschalten – sonst muss der Kunde womöglich unbemerkt zahlen: Beispielsweise wenn das E-Mail-Programm regelmäßig neue Nachrichten abfragt oder wenn Software auf dem mobilen Gerät automatisch aktualisiert wird.
Das Telefonieren ist EU-weit erfreulich günstig, doch auch hier gibt es für Urlaubsreisende einen kleinen Haken: Wenn ein Anrufer auf die Mailbox spricht, fallen keine Zusatzgebühren mehr an - wenn man die Mailbox aus dem Ausland abhören will, kostet es allerdings mehr als zuhause. Wer das vermeiden will, kann die Mailbox einfach ausschalten.
Der billigste Kontakt zur Heimat ist nach wie vor die SMS für höchstens 13 Cent innerhalb der EU. Die sollte man dann aber ohne Foto und Videos senden – denn für MMS hat die EU die Preise nicht festgesetzt.
Die EU lobt sich: Ende einer Kostenfalle
Die Preise für aus- und eingehende Mobiltelefonanrufe innerhalb der EU werden mit der Neuregelung 73 Prozent niedriger sein als im Jahr 2005, als die EU begann, gegen überhöhte Tarife für Nutzung des Mobilfunks im Ausland – das sogenannte Roaming – vorzugehen, so heißt es in einer Presseerklärung der Europäischen Kommission. „Touristen und Geschäftsreisende, die mit ihrem Smartphone oder Laptop in einem anderen EU-Land im Internet surfen, brauchen nun keine Rechnungsschocks mehr zu fürchten“, sagt die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Neelie Kroes; in der EU ist sie zuständig für Digitales.
Abschreckende Beispiele aus der Vergangenheit gibt es immerhin genug: So erhielt 2009 ein deutscher Kunde, der in Frankreich auf Reisen war und von dort eine TV-Sendung heruntergeladen hatte, eine Rechnung über 46 000 Euro. Ein britischer Student häufelte mit Daten-Roaming – also mobilem Internet außerhalb des Heimatlandes - eine Monatsrechnung von satten 9 000 Euro an.
Autor: ET
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