Surfen über den Wolken auf dem Vormarsch
Ratgeber: Internet im Flugzeug
Wer in den vergangenen Jahren im Flugzeug surfen oder telefonieren wollte, musste zuletzt wieder länger nach geeigneten Fluglinien suchen. Beides zusammen wurde sowieso nie angeboten. Nun schickt Oman Air zum ersten Mal Airbusse in die Luft, in denen die Passagiere sowohl ihr privates Handy als auch das Notebook zum Surfen nutzen können.
Auch die Lufthansa wird in diesem Jahr wieder ein vor drei Jahren beendetes Projekt für das Internet-Surfen im Flugzeug wiederbeleben. Mit welchen Kosten die Fluggäste dabei für die Nutzung rechnen müssen, ist jedoch noch nicht bekannt.
Oman Air als Vorreiter im Luftverkehr
In Sachen Kommunikation in der Luftfahrt gilt Oman Air seit März 2010 als Pionier. Mit ihren vier Langstreckenjets des Typs Airbus A330 bietet die arabische Fluglinie als erste überhaupt sowohl die Nutzung des eigenen Handys als auch eine WLAN-Verbindung für den privaten Laptop an. Bisher gab es lediglich Fluglinien, die entweder das eine oder das andere zur Verfügung stellten. Auch von Deutschland aus kann dieses Angebot der Oman Air auf den Strecken zwischen der omanischen Hauptstadt Maskat und Frankfurt am Main sowie München bereits genutzt werden.
Der Internet-Zugang funktioniert ähnlich wie bei einem WLAN-Hotspot – im Flugzeug allerdings über einen Satelliten. Die omanischen Linie verlangt pro Flug 29,95 Dollar für ein Paket von 26 Megabyte. Danach werden 0,006 Dollar pro Kilobyte berechnet. Für den Versand von E-Mails ohne Anhang fallen 9,95 Dollar an und der Gebrauch des Webchats kostet 4,95 Dollar. Die Nutzung des eigenen Handys wird über die Roaming-Gebühren des jeweiligen Mobilfunkanbieters abgerechnet. Einschränkungen des Kommunikationsbedarfs gibt es über den Wolken nur noch während der Start- und Landephase sowie zu den Ruhephasen bei Nachtflügen.
Internet auf Langstreckenflügen der Lufthansa ist zurück
Die Lufthansa bot bereits zwischen 2003 und 2006 eine Internetverbindung auf ihren Langstreckenflügen an. Damals nutzten diesen Service durchschnittlich 40 Gäste pro Flug. Vor drei Jahren wurde dieses satellitengestützte Projekt aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Ab Mitte 2010 will die Lufthansa ihre Flugzeuge nun wieder nachrüsten und Internet sowie eine begrenzte Handynutzung zulassen. Bis Ende 2010 sollen 50 der 69 Langstrecken-Jets aufgerüstet sein.
Via Satellit will die Lufthansa vor allem mit einer hohen Bandbreite überzeugen. Die Passagiere können sich in der gesamten Kabine mit ihren privaten Endgeräten über WLAN einloggen oder via GSM/GPRS eine mobile Internetverbindung herstellen. Auch die Übertragung von Kurznachrichten wird dann möglich sein – nur Gespräche mit dem privaten Handy will der Konzern verbieten, damit die anderen Fluggäste nicht gestört werden. Die Abrechnung einer WLAN-Verbindung erfolgt entweder über den Handyanbieter oder direkt über eine Kreditkarte. Außerdem soll es für den Zugang im Internet unterschiedliche Preisangebote geben, die bei einer Pauschale für Studierende anfangen und über einen einstündigen Tarif bis zu einer Monatspauschale reichen.
Private Handys im Flugzeug eigentlich erlaubt
Seit einem EU-Beschluss von 2008 ist es den europäischen Fluglinien gestattet, Handygespräche im Flugzeug zu erlauben – allerdings nur, wenn die Flieger mit einer speziellen Technik dafür nachgerüstet werden. Die deutschen Fluggesellschaften stellten sich zunächst jedoch fast alle gegen diese Freigabe, da sie vor allem den Störfaktor gegenüber den anderen Passagieren vermeiden wollten. Zudem ist das Telefonieren mit dem privaten Handy in der Luft teuer. Ein Gespräch von einer Minute kostet zwischen 2,89 Euro und 4,41 Euro, je nachdem, bei welchem Anbieter sich das Handy via Satellit einwählt und wie hoch die Roaming-Gebühren des jeweils überflogenen Landes sind.
Das Telefonieren mit dem privaten Handy wird generell durch eine Technologie ermöglicht, die die Nutzer zunächst in ein flugzeuginternes Netz einwählt und das Gespräch von dort aus in das jeweilige Mobilfunknetz weiterleitet. Dazu verwenden die Fluglinien eine sogenannte „Picozelle“, einen Mini-Funkmast, der die Handytelefonate im Flieger bündelt und an einen Satelliten weiterleitet. Dadurch senden die Handys deutlich schwächere Signale, die wiederum die Flugzeuginstrumente nicht mehr stören. Das Handyverbot bei Start und Landung bleibt allerdings aus Sicherheitsgründen weiterhin bestehen.
Fazit: Internet im Flugzeug wird weiter ausgebaut
Das Surfen über den Wolken erfreut sich also in naher Zukunft wieder größerer Verbreitung. Wer ein WLAN-fähiges Endgerät hat, kann damit zumindest auf Langstreckenflügen immer häufiger auch in der Luft eine Internetverbindung über sein Notebook oder Smartphone nutzen.
In Deutschland wird die Lufthansa bis Ende 2010 aller Voraussicht nach einen Großteil ihrer Jets nachgerüstet haben und auch Ryanair bietet, ähnlich wie die arabischen Airlines, bereits auf einigen Langstreckenflügen Internet für ihre Passagiere an.
Autor: KW
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