Kaum ein Handy-Vertrag ohne Schufa-Prüfung
25.11.2008
Kreditwürdigkeit wird in Zeiten wankender Finanzmärkte groß geschrieben. Verbraucher können heute kaum mehr einen Telekommunikationsvertrag abschließen, ohne dass ihre Bonität überprüft wird. Egal ob es um Festnetz oder Mobilfunk geht. Durchgeführt werden diese Prüfungen von so genannten Datenauskunfteien, das bekannteste derartige Unternehmen ist die Schufa Holding AG.
Aber es gibt noch diverse andere Firmen wie beispielsweise Infoscore, die personenbezogene Daten zur Zahlungskraft gespeichert haben und die dem Mobilfunkanbieter auf Anfrage Auskunft erteilen. Die Namen der Auskunfteien sowie die Inhalte der gespeicherten Dateien stehen in den AGB der Mobilfunkprovider, allerdings in wenig übersichtlicher Weise. Diese Art des Vorgehens sei problematisch, kritisieren Verbraucherschützer, oftmals wüssten die Kunden nicht, welche Daten über sie gespeichert seien und wie diese bewertet würden.
Datenschützer kritisieren Scoring-Methoden
Die Bonitätsprüfer ermitteln aus den gespeicherten Daten einen Wert. Dieser „Scorewert“ soll darstellen, wie wahrscheinlich es ist dass, ein Kunde seine Rechnungen bezahlt. „Dieser Scorewert ist für den einzelnen Verbraucher völlig undurchsichtig“, kritisiert Ronny Jahn von der Verbraucherzentrale Berlin das so genannte Scoring der Datenauskunfteien. Es sei überhaupt nicht klar, auf welchen Fakten dieser Wert beruhe und nach welcher Formel er errechnet werde, so Jahn. Informationen zum Lebensumfeld wie etwa die Qualität des Stadtviertels werden ebenfalls berücksichtigt.
Das führe letztlich dazu, dass Kunden in verschiedene Klassen eingeteilt würden, gibt auch Rena Tangens vom Bielefelder Datenschutz-Verein FoeBuD zu Bedenken: „Kunden der Klasse A werden geradezu hofiert, Kunden der Klasse C hingegen kann es passieren, dass sie substanziell benachteiligt werden“. Diese Vorgehensweise sei fragwürdig und unfair, meint Tangens. Es bestehe keine Möglichkeit für den Kunden, durch korrektes Verhalten die eigene Klassifizierung zu beeinflussen, was zählt sei der Scorewert. Der könne schon durch die Adresse in einem ungünstigen Wohnviertel negativ sein. Während das Ziel der Provider grundsätzlich legitim und verständlich ist, nämlich Informationen über die Bonität potentieller Kunden einzuholen, gehen die tatsächlichen Speicher- und Scoring-Methoden den Verbraucherschützern zu weit.
Selbstauskunft gibt Gewissheit, kann aber Probleme bereiten
Wer wissen möchte, welche Daten bei der Schufa über ihn gespeichert sind, kann eine Selbstauskunft anfordern. Allerdings erhält der Kunden dann einen so genannten Basisscore. Unternehmen, die bei der Auskunftei anfragen, erhalten einen branchenspezifischen Scorewert des Konsumenten, der sich stark vom Basiscore unterscheiden kann. Auf Anforderung könne sich der Verbraucher auch alle Score-Werte mitteilen lassen, heißt es bei der Schufa Holding AG. Findet der Kunde nun falsche Einträge über sich, kann er auf einer Korrektur bestehen. Die Bundesregierung will ab 2010 die Verbraucher mit neuen Regelungen stärker schützen: Datenauskunfteien sollen künftig verpflichtet werden, die gespeicherten Daten zu veröffentlichen und zu erklären.
Die Tatsache, mehrere Handy-Verträge zu haben, hat laut Andreas Lehmann von der Schufa keinen negativen Einfluss auf die Bonitäts-Bewertung. Wichtig sei, Verpflichtungen immer vertragsgemäß zu erfüllen und fristgemäß zu begleichen, so Lehmann. Veraltete Einträge werden automatisch gelöscht: Angaben über einen herkömmlichen Kredit nach drei Jahren, Informationen über einen Mobilfunkvertrag werden sofort nach Ablaufen gelöscht. Was sich allerdings negativ auf den Scorewert auswirken kann, ist das Einholen einer Selbstauskunft. Es ist daher ratsam, sich nur bei realistischen Bedenken einer Fehleinschätzung an eine Datenauskunftei zu wenden. Eine Selbstauskunft ist außerdem kostenpflichtig, die Schufa berechnet hierfür 15,60 Euro, Infoscore 7,80 Euro. Wer aufgrund eines negativen Eintrags bei einer Auskunftei keinen Mobilfunk-Laufzeitvertrag abschließen darf, kann auf Prepaid-Angebote zurück greifen. Da der Anbieter hier kein Ausfallrisiko befürchten muss, dürfte die Schufa-Bewertung egal sein.
Autor: FN
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