Markt für Handy-Pornos boomt
15.02.2008
Erotikinhalte erzielen im Internet höchste Umsätze. Online-Inhalte mobil auf das Handy zu bringen ist der aktuelle Trend. Davon profitiert nun auch die Porno-Branche. Vor allem auf dem europäischen Mobilfunkmarkt, der sich im Gegensatz zum US-amerikanischen wenig prüde zeigt, erzielen Handy-Pornos bereits Rekordumsätze.
„Wir haben ein Angebot in diesem Bereich und verzeichnen auch eine hohe Nachfrage. Allerdings bewerben wir die Erotikinhalte nicht aktiv“, äußert sich eine Sprecherin von T-Mobile Austria. Das scheint auch nicht nötig zu sein. 775 Millionen Dollar betrug das Marktvolumen der mobilen Erotikinhalte im vergangenen Jahr, bis 2012 soll es auf 1,5 Milliarden Dollar ansteigen. Das Unternehmens JupiterResearch geht in seinen Berechnungen von einem weltweiten Markt im Wert von 3,5 Milliarden Dollar aus.
Amerikanischer Mobilfunk will Erotikangebote aufstocken
An solche Zahlen war in Nordamerika bisher nicht zu denken. 2007 verdiente die amerikanische Mobilfunkbranche mit Handy-Pornos nur etwa 26 Millionen Dollar. Viele Anbieter in Übersee fürchteten, mit Erotikinhalten politische und religiöse Gruppen als Kunden zu verprellen und scheuten daher vor derlei Dienstleistungen zurück.
Das soll sich nun ändern. Offenbar planen die Mobilfunkbetreiber, die Kontrollfunktionen zu lockern und breiter gestreute Dienstleistungen, etwa im Erotikbereich, zuzulassen. Technische Verbesserungen an den Geräten garantieren eine hohe Bildauflösung, was der Erotikbranche sehr entgegenkommt. Zudem sucht die Pornoindustrie seit einiger Zeit nach neuen Vertriebskanälen, da die Einnahmen im Videosegment und bei den kostenpflichtigen Online-Angeboten stagnieren. „Es wird unmöglich sein, die Ausbeutung des Erwachsenen-Geschäfts im Mobilfunkbereich zu stoppen“, meint der amerikanische Anwalt Gregory Piccionelli, der sich auf Klienten aus dem Bereich Erwachsenenunterhaltung spezialisiert hat. Den US-Konsumenten werde sehr bald ein breites Angebot an kostenlosen sowie kostenpflichtigen Services zur Verfügung stehen.
Für die Content-Anbieter sei es überlebenswichtig, auf dem technisch neuesten Stand zu bleiben, erklärt Jay Grdina, Ehemann des Erotikstars Jenna Jameson. Er ist Präsident des ClubJenna, eines Providers für Erwachsenenunterhaltung, der 2006 an den Playboy verkauft wurde. „Wenn du dich nicht weiterentwickelst, gehst du unter. Wir müssen darauf achten, dass wir vorbereitet sind“, meint Grdina. Vor allem in den USA sieht er Handlungsbedarf. Denn während ClubJenna in Europa gute Umsätze macht, belaufen sich die Einnahmen auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt gegen Null. Grdina plant nun einen neuen Anlauf: nicht mit Handy-Pornos sondern zuerst einmal mit Fotos von Bikini-Modells.
Porno auf dem Handy: Wo bleibt der Jugendschutz?
Mit der zunehmenden Mobilisierung der Erotikinhalte wächst die Sorge der Jugendschützer. Viele Mobilfunkanbieter versichern, sich für den Schutz von Minderjährigen stark machen zu wollen. „Inhalte, die möglicherweise jugendgefährdend – also Inhalte ab 18 Jahren – sein können, werden auf o2-Portalen standardmäßig nicht angezeigt“, betont die Pressesprecherin von o2 Deutschland, Kerstin Gulden. Inhalte, die für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet sind, könnten zudem gesperrt werden.
Im Jahr 2005 hatten die Unternehmen Debitel, E-Plus, Mobilcom, o2, Talkline, T-Mobile und Vodafone einen Verhaltenskodex zum Jugendschutz im Mobilfunk unterzeichnet. In Bezug auf „pornografische oder sonstige schwer jugendgefährdende Inhalte“ heißt es dort: „Sofern entsprechende Inhalte angeboten werden, tragen die unterzeichnenden Mobilfunkanbieter in ihrem Verantwortungsbereich dafür Sorge bzw. verpflichten die Inhalteanbieter, dafür Sorge zu tragen, dass mobile Inhalte, die als pornografisch oder sonst als offensichtlich die Entwicklung oder die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen schwer gefährdend einzustufen sind, nur Erwachsenen in geschlossenen Benutzergruppen angeboten werden“.
Zu diesem Zweck wurden Altersverifikationssysteme eingeführt: der User muss sich, etwa beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages, identifizieren. Um an die entsprechenden Inhalte zu gelangen, muss dann eine „Authentifizierung“ über eine PIN-Nummer oder eine spezielle SIM-Karte stattfinden. Zudem haben die Mobilfunkanbieter die Möglichkeit, pornografische Inhalte nur zu Tageszeiten zugänglich zu machen, zu denen Kinder und Jugendliche normalerweise im Bett liegen. Dennoch bleibt die Frage, ob solch allgemeine Schutzmaßnahmen findige Jugendliche tatsächlich von der Nutzung der verbotenen Inhalte abhalten können.
Autor: FN
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