Handy-TV: Neustart für DVB-H geplant
05.11.2008
Die Zankereien beim Handy Fernsehen nehmen kein Ende. Der Wettstreit zwischen den Handy-TV-Formaten DVB-T und DVB-H geht in die nächste Runde: Das DVB-H-Konsortium Mobile 3.0 hat sein Geschäftskonzept für gescheitert erklärt und wird die bundesweite Lizenz für die DVB-H-Plattform umgehend an die Landesmedienanstalten zurückgeben.
Dieser Schritt geschieht nicht ganz freiwillig, die im September gegründete Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) hatte Mobile 3.0 zur Rückgabe der Lizenz aufgefordert. Das Konsortium konnte nach Meinung der ZAK das eigene, im Rahmen der Ausschreibung 2007 vorgelegte Gesamtkonzept nicht umsetzen. Die Lizenzauflagen seien nicht erfüllt worden, heißt es bei der ZAK, da weder Verträge über den Netzbetrieb noch mit Vertriebs- oder Marketingpartnern zustande gekommen waren.
Mobile 3.0 gibt Lizenz zurück
"Mit einer schnellen Rückgabe wird der Weg frei für einen möglichen Neustart von DVB-H unter veränderten Rahmenbedingungen", hofft der Vorsitzende der Kommission, Thomas Langheinrich. Damit könne auch auf die veränderten technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen angemessen reagiert werden. Sollte das Mobile 3.0-Konsortium die Lizenz nicht bis Ende Oktober zurückgeben, hatte Langheinrich ein Widerrufsverfahren angekündigt.
Schuld an der Misere um die Handy-TV-Plattform seien nicht regulatorische Vorgaben gewesen, betonte der ZAK-Vorsitzende bei einer Veranstaltung im Rahmen der Münchner Medientage. Vielmehr habe es an innovativen Formaten bei der Belegung des vorhandenen DVB-H-Frequenzspektrums gefehlt, sagte Langheinrich, der auch Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) ist. Ein weiterer Grund für das Scheitern von Mobile 3.0 sei das fehlende Engagement des Sendenetzbetreibers Media Broadcast gewesen: "Wir müssen sicherstellen, dass sich der Sendenetzbetreiber künftig stärker am Risiko des DVB-H-Geschäftsmodells beteiligt", forderte Langheinrich.
Gröger fordert Verbot von DVB-T-Handys
Ähnliche Kritik übte auch der Präsident des Konsortiums Mobile 3.0, Rudolf Gröger: "Wenn jeder nur an sich denkt, kann kein Geschäftsmodell funktionieren. Am Ende hat uns ein Runder Tisch gefehlt". Dennoch glaube er nach wie vor an den Erfolg von mobilem Fernsehen über DVB-H (Digital Video Broadcasting-Handhelds). Langheinrich zeigte sich "dankbar und froh" über die Lizenz-Rückgabe von Mobile 3.0. So werde es keinen neuen Zeitverzug geben. Die erneute Lizenzvergabe werde man schnell und unbürokratisch abwickeln, versprach der Vorsitzende der ZAK.
Schließlich äußerte Mobile 3.0-Chef Gröger noch einen reichlich unrealistischen Wunsch: Um die Entwicklung eines Geschäftsmodells für den (gebührenpflichtigen) Standard DVB-H nicht zu behindern, sollte die Distribution von DVB-T-Handys eingestellt werden. Das terrestrische Digitalfernsehen über DVB-T ermöglicht den gebührenfreien Empfang von Handy-TV.
Autor: FN
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