DVB-H nun doch im Testbetrieb gestartet
04.06.2008
Handy-Nutzer in Frankfurt, Hamburg, Hannover und München können ab sofort Handy-TV über den Standard DVB-H empfangen. Zum 1. Juni hat das Betreiberkonsortium „Mobile 3.0“ den Sendebetrieb aufgenommen: neun TV- und drei Radiosender werden im Rahmen der Testphase übertragen.
ARD, ZDF sowie das zukünftige Regionalprogramm Deutschland 24 stehen dem User unverschlüsselt zur Verfügung, ebenso die drei Radioprogramme bigMUSIC, MyFun Radio und 90elf. Die Privatsender RTL, VOX, SAT 1, PRO 7 sowie N-TV und N24 sind in verschlüsselter Form zu empfangen. In der Pilotphase werden DVB-H-fähige Endgeräte von Nokia und Samsung eingesetzt. Rechtzeitig zur Fußball-Europameisterschaft geht der Standard DVB-H nun doch auf Sendung, wenn auch in erheblich eingeschränkter Form.
Geringe Chancen für Bezahl-TV auf dem Handy
Das mobile Fernsehen über DVB-H („Digital Video Broadcasting-Handhelds“) ist im Gegendsatz zum Konkurrenz-Standard DVB-T („Digital Video Broadcasting-Terrestrial“) kostenpflichtig. Der Standard muss von den Kunden bei ihrem Mobilfunkanbieter zusätzlich gebucht werden. Die Betreiber von Mobile 3.0 halten sich mit aktuellen Aussagen zu den Gebühren für das Handy-TV bedeckt. Älteren Angaben vom November 2007 zufolge werden die monatlichen Kosten zwischen fünf und zehn Euro betragen.
Dementsprechend betrachtet die Mobilfunkbranche das Unterfangen DVB-H äußerst kritisch. Friedrich Joussen, Chef von Vodafone Deutschland, hatte diesem Handy-TV-Standard zuletzt kaum noch Marktchancen eingeräumt: „Ich werde kein Bezahl-TV auf dem Handy unterstützen, solange die Gefahr besteht, dass Kunden dann weniger Geld für andere Dienste ausgeben“, kritisierte Joussen gegenüber der Financial Times Deutschland. Vodafone setze daher auf das terrestrische Digitalfernsehen. DVB-T sei kostenlos und nahezu bundesweit zu empfangen. Die Mehrzahl der Mobilfunkanbieter hat inzwischen das DVB-T-fähige Handy „HB620T“ des südkoreanischen Herstellers LG im Angebot.
DVB-H-Empfang in allen Großstädten bis Ende 2008
Ziel des DVB-H-Testlaufs sei laut Rudolf Gröger, Präsident des Betreiberkonsortiums Mobile 3.0, neben Empfang, Technik und Verschlüsselung auch die Handhabung zu prüfen: „Wir wollen mit Mobile-TV ein technisch einwandfreies und inhaltlich hochwertiges Produkt auf den Markt bringen“, so Gröger. „Ende dieses Jahres wollen wir in allen großen deutschen Städten den Empfang des echten Mobile-TV ermöglichen“, fährt der Mobile 3.0-Chef fort. Voraussetzung dafür sei allerdings die Zuteilung der Lizenzen. Bisher haben noch nicht alle Landesmedienanstalten eine Sendelizenz für DVB-H erteilt, was mit ein Grund war für den schleppenden Start des Dienstes. Sobald alle Lizenzen vorliegen, könne Mobile 3.0 den weiteren Ausbau des Sendenetzes in Auftrag geben und die Vermarktung in die Wege leiten, erklärt Gröger die Pläne des Plattformbetreibers.
Für den Netzaufbau wird der Rundfunk-Dienstleister Media Broadcast zuständig sein. Das Head-End für den Testbetrieb von DVB-H, also die Stelle, an der alle technischen Prozesse vor der Ausstrahlung zusammengeführt und koordiniert werden, hat Nokia Siemens Networks (NSN) errichtet.
Autor: FN
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