Kindle gegen Ipad: Amazon will nachrüsten
15.02.2010
Der Online-Buchhändler Amazon will mit Kindle, einem Lesegerät für digitale Bücher, gegen den Ipad von Apple antreten. Auf den ersten Blick ein ungleicher Kampf: Der Ipad ist bunt, der Kindle kommt in Schwarz-Weiß daher. Der Ipad hat einen berührungsempfindlichen Bildschirm, der Kindle ein paar kleinere Knöpfchen. Der Ipad ist als Gerät mit vielen Funktionen (mobiles Surfen, Spielen, Filme sehen oder Lesen von Büchern und Zeitschriften) konzipiert, der Kindle ist ein Lesegerät fürs einfache Buch.
Doch Amazon will aufrüsten: Programmierer sollen den Kindle mit neuen Anwendungen versorgen, die dann in einem sogenannten App-Store – einem Internetladen für Zusatzprogramme – verkauft werden. Und zur Nachbesserung in Sachen Hardware haben sich die Buchversand-Händler Medienberichten zufolge schon Spezialisten für berührungsempfindliche Bildschirme eingekauft.
Amazon kauft Bildschirm-Spezialisten
Den jüngsten Coup im Kindle-Kampf um Kunden vermeldete die New York Times: Amazon hat demzufolge die Firma Touchco übernommen, einen Spezialisten für berührungsempfindliche Bildschirme. Die wolle man nun mit der eigenen Tochterfirma für Entwicklungen Lab126 zusammenlegen. Das Blatt beruft sich auf Insider-Informationen. Amazon äußert sich dazu nicht und hat insofern zumindest schon eine von Apple erfolgreich angewendete Taktik übernommen: Rede nicht selbst über deine Pläne, sondern lass die anderen darüber reden.
Schon vor der mutmaßlichen Übernahme des Bildschirmspezialisten Touchco hatte Amazon angekündigt, einen sogenannten Appstore für das E-Buch-Lesegerät Kindle zu starten. Dort soll man neben Büchern auch nützliche andere Zusatzprogramme für das Gerät herunterladen können. Für Programmentwickler gibt es dazu einen hauseigenen Programmier-Baukasten, das sogenannte „Development Kit“, mit seiner Hilfe sollen Programmierer viele neue schöne Programme basteln. Dazu kündigte Amazon eine Zusammenarbeit mit dem Spielehersteller Electronics Arts an, doch auch in diesem Fall weiß man noch nicht, welche Spiele nun auf dem Kindle laufen sollen.
„Weihnachtsgeschäft 2010 entscheidet den Kampf“
Wie erfolgreich Amazon bisher sein Buchlese-Gerät vermarktet hat, weiß niemand genau. Amazon-Gründer und Chef Jeff Bezos sprach Ende Januar von „Millionen von Menschen, die einen Kindle besitzen.“ Rein grammatikalisch liegt die Untergrenze damit bei zwei Millionen. Die amerikanische Webseite teccrunch.com will von Personen, die Amazon nahe stehen erfahren haben, dass es im Dezember sogar schon drei Millionen verkaufte Kindles gab.
IT-Experten sehen die Aufholjagd mit Skepsis: „Amazon baut eine neue Insel im mobilen Netz, wo Apple schon einen ganzen Kontinent für sich abgesteckt hat“ meint Spiegel online. Das Ziel von Amazon scheint klar: „Amazon ist Pionier auf dem Markt für E-Books und verfolgt das gleiche Ziel wie Apple: Den Aufbau einer geschlossenen Wertschöpfungskette aus Hard- und Software sowie dazugehörigem Online-Medienshop“ schreibt die Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“. Doch während Apple auf dem Musikmarkt mit Itunes in den letzten drei Monaten des Jahres 2009 eine Milliarde Dollar Umsatz gemacht habe, komme Amazon auf dem elektronischen Buchmarkt gerade mal auf 750 Millionen Dollar Umsatz im ganzen Jahr, so rechnet das Blatt vor. Amazons tragbares Lesegerät Kindle DX sei dem Ipad darüber hinaus technologisch weit unterlegen.
„Ein neuer Kindle sollte vor Jahresende kommen“ meint das Handelsblatt – denn nach Auffassung amerikanischer Marktforscher werde das Weihnachtsgeschäft 2010 den Durchbruch der elektronischen Bücher bringen. „Fragt sich nur noch für wen: Apple oder Amazon“.
Autor: ET
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