Zehn Jahre UMTS: Die lange Geburt des mobilen Internet
31.08.2010
Zehn Jahre UMTS in Deutschland – das ist die Geschichte einer gigantischen Investition, die sich nun langsam auszahlt. Die neue Technologie machte zwar schon früher mobiles Internet zu erschwinglichen Preisen für alle möglich.
Doch erst heute ist der Durchbruch zum Massenmarkt für das mobile Datengeschäft in Sicht: Derzeit wird UMTS von 19 Millionen Kunden in Deutschland regelmäßig genutzt.
UMTS: Unerwartete Mehreinnahmen zur Tilgung von Staatsschulden
„Unerwartete Mehreinnahmen zur Tilgung von Staatsschulden“ – so übersetzte im Jahr 2000 Bundes-Finanzminister Hans Eichel das Kürzel UMTS. Umgerechnet 50 Milliarden Euro hatten sechs Bieter hingelegt, jeder wollte beim Aufbau eines Datenfunknetzes mit dabei sein. Fünfzig Milliarden Euro - das war womöglich ein bisschen zu viel. „Im Nachhinein hat sich gezeigt, dass der Preis nicht ganz so passend war“ meint etwa E-Plus-Sprecher Guido Heitman. Und O2-Chef René Schuster meint: „Die Preise für die UMTS-Lizenzen waren der damaligen Euphorie der New Economy geschuldet.“
Zwei Bieter blieben denn auch schon am Anfang des Kampfes um das UMTS-Geschäft auf der Strecke: Sie ersteigerten zwar für umgerechnet über acht Milliarden Euro Frequenzen für ein UMTS-Netz. Doch sie konnten oder wollten dann nicht auch noch Milliarden zahlen um dieses UMTS-Netz mit seinen Basisstationen, Funkzellen, Antennen, Sendemasten und der dazugehörigen Infrastruktur an Leitungen und Rechenzentren tatsächlich aufzubauen.
Übrig blieben vier Firmen, von denen heute jede ein eigenes UMTS-Netz in Deutschland betreibt: Vodafone, Telekom Deutschland, O2 und E-Plus.
Der lange Weg zum Erfolg
Doch bis dahin war es ein langer Weg. Fast vier Jahre dauerte es nach der Versteigerung der Lizenzen bis Kunden die UMTS-Netze im Jahr 2004 dann erstmals nutzen konnten, um mobil online zu gehen. Am Anfang gab es dafür ein Funkmodem in Form einer PC-Karte, die in den Laptop oder das Notebook gesteckt wurde. Ende des Jahres 2004 gab es dann die ersten, wenngleich noch ziemlich klobigen UMTS-Handys.
Doch so richtig in Schwung kam die Sache erst mit einer Kombination aus handlichem Gerät in Kombination mit einfacher Bedienung – kurz mit den Smartphones: Ab 2002 gab es die Blackberrys fürs Geschäft und ab 2007 die iPhones fürs Vergnügen. Erst die kleinen flinken Alleskönner für die Jackentasche lieferten den einfachen Zugriff aufs mobile Internet mit vielfältigen recht einfach zu bedienenden Anwendungen wie Emails abfragen, Musik herunterladen und hören oder soziale Netzwerke im Internet pflegen.
Den Zeitpunkt für den mobilen Durchbruch datieren die Experte auf das Jahr 2005: „Die Netze waren ausgebaut, die Handys wurden multimediatauglich und die Preise für die mobile Datenübertragung sanken. Den endgültigen Durchbruch brachte schließlich die neue Handy-Generation der hochwertigen Smartphones,“ erläutert Schuster.
UMTS heute: Jeder Vierte nutzt es
Es ist also eine „Erfolgsgeschichte mit Anlaufzeit“ wie René Schuster sagt. Dabei scheint noch viel möglich in Sachen mobiles Internet, die Netzbetreiber haben UMTS jedenfalls ordentlich ausgebaut – in der Fläche wird Deutschland zu siebzig Prozent von den Netzen abgedeckt. Die Versorgung ist aber von Netzbetreiber zu Netzbetreiber unterschiedlich gut: Auf die Bevölkerungszahl bezogen liegt die Netzabdeckung der verschiedenen Firmen von E-Plus bis Vodafone zwischen 59 Prozent und 81 Prozent, so die Bundesnetzagentur in ihrem Jahresbericht 2009.
„Dieses Potenzial wurde aber noch nicht ausgeschöpft, da nicht alle Teilnehmer über ein UMTS-fähiges Endgerät verfügen“ merkt die Bundesnetzagentur an. „Zum Jahresende 2009 waren etwa 26 Millionen UMTS-Geräte in deutschen Mobilfunknetzen eingebucht. Davon nutzten etwa 19 Millionen Teilnehmer regelmäßig (das heißt mindestens einmal alle drei Monate) UMTS-Dienste. Im Jahr 2007 lag dieser Wert noch bei 9,2 Millionen Teilnehmern.“ Insgesamt gab es in Deutschland 108 Millionen Mobilfunkverträge. Erst jeder vierte Mobilfunkkunde nutzt also die UMTS-Technologie.
Autor: ET
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